Le quotidien allemand “Welt Online” consacre un article à Jamais sans mon département
In Frankreich formiert sich Protest gegen die neuen Nummernschilder, weil sie ein Leben lang gelten und nicht mehr wechseln. Außerdem ist die Herkunft eines Autos künftig nicht mehr zu erkennen. Für Autobesitzer aus Paris hätte die neue Regelung allerdings einen großen Vorteil.
„Niemals ohne mein Departement“ („Jamais sans mon département“) – so heißt der seltsame Schlachtruf, mit dem rund 200 französische Abgeordnete und Senatoren Frankreichs Innenministerin Michèle Alliot-Marie davon abbringen wollen, am 1. Januar 2009 die Nummern der Departements auf den Autokennzeichen abzuschaffen.
„Wir verlieren einen Teil unserer Identität“, befürchtet Richard Maillié, Abgeordneter der Regierungspartei UMP und Gründer der Vereinigung „Jamais sans mon département“, die seit Wochen kräftig die Werbetrommel gegen die Neuregelung rührt. Andere Abgeordnete beklagen gar einen „unwiederbringlichen Verlust unserer Geschichte“, da die Aufteilung Frankreichs in 95 Departements auf die Revolution zurückgehe.
Das bisherige System, das inzwischen auf den Autokennzeichen neben bis zu vier Zahlen und bis zu drei Buchstaben am Ende die Doppelzahl des Departements angibt, wurde erst 1928 eingeführt. So steht die 01 für das Departement Ain im Osten Frankreichs, die 75 für die Hauptstadt Paris, während die 95 dem Departement Val-d’Oise zugeordnet ist – bis auf wenige Ausnahmen wird alphabetisch durchnummeriert.
Auch am Anfang der fünfstelligen Postleitzahlen stehen diese Nummern der Departements. So trägt das VII. Pariser Arrondissement, in dem das Parlamentsgebäude steht, die Nummer 75007.
Die witzigsten Kennzeichen-Sprüche:
Für die neue Regelung, die am 1. Januar für alle neuen Fahrzeuge, ab März auch für alle Gebrauchtwagen eingeführt werden soll, hat die Regierung aber triftige Gründe. So wäre das bisherige Nummern- und Zahlensystem in Paris spätestens 2018 erschöpft. Die neuen Autokennzeichen, die nur noch zwei Buchstaben, drei Ziffern und nochmals zwei Buchstaben – zum Beispiel: AA-123-AA – sowie links die europäische Flagge und rechts das „F“ für Frankreich tragen, lassen zwar keinen Rückschluss mehr auf das Departement zu, aus dem der Fahrzeughalter kommt. Doch werden nicht wenige Franzosen in dieser Anonymität auch einen Vorteil sehen.
Die Pariser, die in Frankreich als arrogante Hauptstädter verrufen sind, müssen nicht mehr befürchten, dass ihr Fahrzeug etwa in Marseille zerkratzt wird. Weg fällt mit dem neuen System auch das stundenlange Warten in den Präfekturen, wo die Kennzeichen ausgegeben werden. Es entfällt darüber hinaus die lästige Pflicht, bei einem Umzug in ein anderes Departement ein neues Nummernschild beantragen zu müssen. Stattdessen behalten die Fahrzeuge ihr neues Nummernschild quasi „auf Lebenszeit“ – von der Auslieferung bis hin zur Verschrottung. Selbst beim Besitzerwechsel bleibt das Autokennzeichen unverändert.
Die gegen die neue Regelung aufbegehrenden Abgeordneten, die sich auf alle Parteien verteilen, lassen sich von solchen Argumenten nicht überzeugen. Auf der Internetseite www.touchepasamaplaque.net („Hände weg von meinem Kennzeichen“) – wettern sie gegen die Technokraten, die kein Herz für ihre emotionale Bindung zu ihrem Departement hätten. Unterstützt werden sie laut einer Umfrage von 71 Prozent der französischen Bevölkerung. 38 Prozent davon gaben an, das departementale Kennzeichen sei „hilfreich“, um die anderen identifizieren und erkennen zu können. 33 Prozent meinten, die Nummer des Departements sei ein „wichtiges Symbol“. Trotz der angeblich so engen Bindung zum Departement fördern andere Meinungsumfragen aber auch zutage, dass viele Franzosen noch immer eine erschreckende Unkenntnis über Rolle und Aufgaben eines Departements zeigen.
Die Proteste sind bei Innenministerin Alliot-Marie nicht auf taube Ohren gestoßen. Sie hat sich bereit erklärt, die Argumente noch einmal zu überprüfen. Die neue Regelung, gibt sie aber zu bedenken, zwinge die Fahrzeughalter keineswegs, ihre Bindung zum Departement aufzugeben. Jedem stehe es frei, neben dem neuen Autokennzeichen die Nummer seines Departements oder ein Wappen anzubringen, das seine territoriale Identität enthüllt.
In Frankreich formiert sich Protest gegen die neuen Nummernschilder, weil sie ein Leben lang gelten und nicht mehr wechseln. Außerdem ist die Herkunft eines Autos künftig nicht mehr zu erkennen. Für Autobesitzer aus Paris hätte die neue Regelung allerdings einen großen Vorteil.
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